Familiensiegel Sello

Familienstiftung
Hofgärtner Hermann Sello


Potsdam
Hermann Sello 1848 (Degas)

Startseite

Aktuelles

Die Hofgärtnerfamilien

Die Architekten

Lehrer und Freunde

Die Familienstiftung Fontane über Sello externer Link

Kooperationen / Nützliches

Lebensbilder

Sello-Briefe

Impressum



Suche auf hofgaertner-sello.de:
MetaGer



Die Geschichte der Hofgärtner Hermann Sello’schen Familienstiftung

Am 12. Juni 1872 errichtete der Oberhofgärtner Hermann Sello eine Familienstiftung mit einem Kapital von 32.000 Reichstalern. Aus dieser Stiftung sollten seine fünf Geschwister, ihre Ehegatten und deren eheliche Nachkommen berechtigt sein:

Charlotte Luise Albertine (Bertha) Sello, geboren am 25.2.1803 in Caputh,  "Stamm I"

Charlotte Thusnelde Pauline Sello, geboren am 2.5.1808 in Caputh, "Stamm II"

Werner Ludwig Anastasius Sello, geboren am 25.12.1810 in Caputh, "Stamm III"

Luise Charlotte Amalie Sello, geboren am 26.11.1812 in Sanssouci, "Stamm IV"

Emil Ludwig Walter Sello, geboren am 24.5.1816 in Potsdam, "Stamm V"

C. J. Begas, Jugendbildnis Hermann Sello
C. J. Begas, Jugendbildnis Hermann Sello
(Familienbesitz)
Eigene Kinder waren Hermann Sello versagt geblieben – seine geradezu patriarchalische Fürsorge erstreckte sich jedoch nicht nur auf seine Geschwister und deren Kinder, sondern auch auf entfernteste Verwandte und seine Bediensteten, die in seinem am gleichen Tage errichteten Testament mit z.T. umfangreichen Legaten bedacht wurden.

Die Geschäfte sollten von einem Stiftungsvorsteher wahrgenommen werden, der von einem Rechnungsführer unterstützt wurde. Zusammen mit den Familienräten hatte er z.B. die Entscheidungen zu treffen, wie das Vermögen angelegt werden sollte. Nicht immer waren die Familienangehörigen mit den Entscheidungen des Vorstehers einverstanden, es scheint öfter zu heftigen Streiterein gekommen zu sein, wenn z.B. die Papiere nicht genügend Dividende abwarfen.

Alle drei Jahre gab es einen Familientag, auf dem zunächst alle direkten Nachkommen das Geschäftliche berieten, zum anschließenden Souper wurden dann auch die Angeheirateten zugelassen. – Bis 1923 sind die Zinserträge jährlich ausgeschüttet worden, es wurden außerdem Unterstützungen für arme Verwandte gewährt und Ausbildungsbeihilfen für die Nachkommen der Geschwister. Einen langen Streit hat es gegeben um die Frage, ob auch studierwillige Mädchen eine Beihilfe bekommen könnten, - das ist letztendlich positiv entschieden worden. Im Falle eines preußischen Offiziers entschied man jedoch, dass es eines Offiziers nicht würdig sei, eine Unterstützung anzunehmen. Ebenso wurde es aus „vaterländischen Gründen“ abgelehnt, einige Papiere in höher verzinsliche Kriegsanleihen umzutauschen.

Die „aktive Zeit“ der Familienstiftung dauerte bis 1923, also bis zur Inflation. Bis dahin wurde Dividende an die Berechtigten ausgezahlt, manche waren auch darauf angewiesen. Andere, Wohlhabendere, verzichteten öfter auf die Zahlung.

Grabmal Peter Josef Lenné 1992
Grabmal Peter Josef Lenné 1992
(Eigenes Foto)
Zum Nachlass von Hermann Sello gehört auch das Friedhofsgrundstück in Bornstedt. „Was in Potsdam stirbt, wird in Bornstedt begraben,“ schrieb Fontane, der auf seinen „Wanderungen“ 1869 oder 1870 dort war und „Hofgärtner in Bataillonen“ auf dem Friedhof vorfand.

1842 hatte die Mutter von Hermann Sello das Grundstück für 125 Taler in preußischem Silbercourant erworben. Als einer der ersten fand 1845 Ludwig Persius (Schwager und Architekt des Königs Friedrich Wilhelm IV) nach seinem frühen Tod dort seine Ruhestätte. 1867 wurde das Grundstück für 185 Taler erweitert und für 1450 Mark hergerichtet. Jedes Familienmitglied hat bis heute das Recht, dort bestattet zu werden. Damals wurden auch für Freunde der Familie Grabstellen zur Verfügung gestellt, allen voran Peter Josef Lenné und seiner Frau.

Wegen eines Wegerechtes wurde lange prozessiert, außerdem lag auf dem Grundstück ein Fleischzehnt für den Pfarrer: 8 Metzen Roggen, 1 Bratwurst, 1 Brot und 4 Eier mussten für die Schule in Bornstedt abgeliefert werden. – Für die Pflege des Friedhofes bestand ein besonderer Fond, der von einzelnen Familienmitgliedern z.T. in aufopfernder Weise verwaltet wurde.

Unser Stifter, der Oberhofgärtner Hermann Sello (1800 – 1876), muss ein recht vermögender Mann gewesen sein. Er begann seine Laufbahn als Gartengehilfe mit äußerst dürftigem Gehalt. Unter König Friedrich-Wilhelm IV. änderte sich dieses, und die Hofarchitekten und Hofgärtner erhielten recht auskömmliche Gehälter. Seine Frau Aline stammte aus einer vermögenden Gutsbesitzerfamilie, daher sind ihm sicher einige Mittel zugeflossen. Neuere Forschungen haben ergeben, dass Hermann Sello als angesehener Hofgärtner erhebliche Nebeneinnahmen hatte durch Anlage von Gärten für das aufstrebende Bürgertum und adlige Gutsbesitzer, genau wie Lenné. Hermann Sello siegelte mit dem Familienwappen und fuhr einen Einspänner. Im Inventarverzeichnis in seinem Testament ist ein Silberschatz von 785 Mark erwähnt, auch die Wäscheausstattung war beachtlich.

Zu der Erbschaft hat auch ein Silberkranz gehört – man weiß nicht, ob er ein Geschenk Friedrich Wilhelm IV. gewesen ist, oder ob die Geschwister ihn Hermann und Aline Sello zur Silbernen Hochzeit geschenkt haben. Alle Silberbräute der Familie haben ihn getragen. Leider ist dieser Kranz seit 1920 nicht mehr auffindbar.

Als Hermann Sello seine Stiftung errichtete, wohnten und arbeiteten noch fast alle Familienmitglieder in und um Sanssouci, in Potsdam und Berlin. So ist es zu erklären, dass für ihn der finanzielle Aspekt im Vordergrund stand und nicht die Pflege des Familienzusammenhalts. Je mehr aber die Nachkommen der Geschwister andere Berufe ergriffen – Emil Sello war der letzte Hofgärtner mit dem Namen Sello – , desto wichtiger wurde dieser Gedanke für die Familienmitglieder, besonders als 1918 die Institution der Hofgärtner endete und vollends nach dem 2. Weltkrieg.

Zwischen den Kriegen war die Arbeit der Stiftung sehr reduziert – das Vermögen war fast verloren. Trotzdem engagierten sich weiterhin einige Familienangehörige, stifteten Geld für den Friedhofsfond oder hielten die Familientage in ihren Wohnungen ab. Besonders engagiert war Kurt Erdmann Rosenthal, dem schließlich der Weiterbestand der Stiftung auch über den 2. Weltkrieg hinaus zu verdanken ist. Er vermachte ihr sein nicht unbeträchtliches Vermögen. Auch eine Satzungsänderung lag ihm am Herzen, der Zweck der Stiftung sollte nunmehr die Pflege des Familienzusammenhaltes sein.

Nach dem 2. Weltkrieg musste das Vermögen zunächst als verloren angesehen werden. Erst Mitte der 50er Jahre meldete sich das Nachlassgericht. Es dauerte noch Jahre, bis alle rechtlichen Fragen geklärt waren. 1958 fand ein erster „kleiner“ Familientag statt, 1961 wurde die Satzung genehmigt. Gemäß dem Willen des zweiten Stifters wurden die Mittel der Stiftung für die Veranstaltung der Familientage verwendet. Außerdem wurde für die Pflege des Friedhofs gesorgt, soweit dies möglich war. Seitdem haben wieder in regelmäßigen Abständen Familientage stattgefunden, zuerst in Hannover, das für alle leicht erreichbar war, dann auch in anderen Orten. 1972 konnte die Stiftung ihr 100-jähriges Bestehen feiern. –

Nachdem ab 1972 ein geordnetes diplomatisches Verhältnis zwischen den damaligen zwei deutschen Staaten bestand, wurde es möglich, durch die Initiative einiger älterer Familienmitglieder, „kleine“ Familientage in Potsdam zu veranstalten und Kontakt zu den älteren und jüngeren Familienangehörigen in der DDR aufzunehmen.

Nach der Wiedervereinigung konnten die Familientage wieder in Potsdam stattfinden (1991 das erste Mal seit 57 Jahren). Jahr für Jahr sah man das Reich der Hofgärtner wieder erstehen. Auch das Werk von Ludwig Persius fand immer mehr Aufmerksamkeit. Und noch einmal erwies sich der zweite Stifter als Wohltäter: bis dahin für wertlos gehaltene Papiere von Berliner Grundstücksgesellschaften im ehemaligen Ostberlin konnten verkauft und dem Stiftungsvermögen zugeführt werden.

Die Erträge des Vermögens müssen in erster Linie für die Pflege und den Erhalt des Friedhofs verwendet werden. Leider geht die Zeit nicht spurlos an diesem kulturgeschichtlichen Denkmal vorüber, sodass umfangreiche Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen erforderlich sind. Hinzu kommt eine ungeahnte Zahl von Besuchern, die z.T. durch das Freizeiterlebnis Krongut Bornstedt angelockt, auch mehr oder weniger interessiert über den Familienfriedhof wandern und sich dabei nicht immer einem solchen Ort entsprechend verhalten.

In zweiter Linie dienen die Erträge der Finanzierung der Familientage. Diese sind immer mehr zu einem Familientreffen der Nachkommen der Hofgärtnerfamilien Sello, Nietner und Fintelmann geworden. Hieraus ist ein Familienzusammenhalt erwachsen, der dazu führt, dass junge und alte Mitglieder der weitverzeigten Sippe in großer Zahl sich regelmäßig nach Potsdam aufmachen, um sich wiederzusehen, miteinander zu sprechen, sich an dem teilweise von ihren Vorfahren geschaffenen Preußisch Arkadien zu freuen und stets etwas Neues zu Potsdam, seinen Gärten und Bauten oder ihren Vorfahren wieder mitzunehmen.

Nach der Rede des Stiftungsvorstehers Klaus A. Eggert zum 100jährigen Bestehen der Stiftung,
ergänzt und bearbeitet durch S.E.


letzte Änderung 13.04.2014 13:27 CEST
durch sello-webteam