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Hofgärtner Hermann Sello


Potsdam
Hermann Sello 1848 (Degas)

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Emil Sello

Emil Sello
Portrait Emil Sello, 1878, Kronprinzessin Victoria von Preußen
(Privatbesitz)

Emil Sello war der jüngste Bruder von Hermann Sello. Seine wichtigste Schaffensperiode waren die 28 Jahre, die er als Hofgärtner am Neuen Palais in enger Zusammenarbeit mit der Kronprinzessin Victoria verbrachte. Zu Beginn seiner Karriere war er ein treuer Gefolgsmann Lennés, doch unter dem Eindruck der englischen Gartenkunst wandte er sich mehr und mehr von seinem Lehrer ab.

Der Hofgärtner Emil Ludwig Walter Sello wurde am 24./25. Mai 1816 in Potsdam geboren, als jüngster Sohn des Hofgärtners Ludwig Sello und seiner Ehefrau Charlotte Anger. Sein Vater war zu diesem Zeitpunkt Hofgärtner im Terrassenrevier von Sanssouci.
Emil Sello verließ 1833 auf eigenen Wunsch das Potsdamer Gymnasium, um bei seinem Vater und bei den Hofgärtnern Carl Fintelmann und Eduard Nietner den Gärtnerberuf zu erlernen. Er besuchte Veranstaltungen der Gärtnerlehranstalt, ohne dort regulär eingetragen zu sein, und hörte Vorlesungen an der Berliner Universität. Anlässlich seiner Gehilfenprüfung 1835 bescheinigte Gartendirektor Peter J. Lenné ihm regen Eifer und die besondere Liebe zu seiner Kunst.
Seine Wanderjahre führten ihn über Sachsen und Prag zuerst nach Wien und Laxenburg. Fast ein Jahr blieb er in München bei dem bayrischen Hofgarten-Intendanten Carl August Sckell und dem königlich bayerischen Oberhofgärtner Carl Effner. Von dort aus reiste er über Innsbruck, Venedig und Florenz nach Rom, dann über die Schweiz den Rhein hinab nach Belgien. Ein halbes Jahr arbeitete er im Botanischen Garten in Lüttich. Während eines Aufenthaltes in Paris führte er sein Reisetagebuch auf Französisch fort, außerdem lernte er Englisch. 1840 schließlich reiste er nach England. Hier konnte er mit Koryphäen der Gartenkunst Kontakt aufnehmen. Vor seiner Rückkehr nach Potsdam machte er noch einen Abstecher nach Schottland. "Er hatte fast alle bedeutenden europäischen Gärten, Gärtner und Botaniker kennengelernt." (Wimmer). Zugleich hatte er sich auf seine Lebensaufgabe bestens vorbereitet.


Am 22. Mai 1849 heiratete er Johanna Kahlbau aus Zossen, eine Enkelin von Marie Christiane Sello und Gottlieb Betche. Das Paar hatte sieben Kinder.
13 Jahre lang verwaltete er als Obergehilfe unter Leitung Lennés die außerhalb der königlichen Gärten gelegenen Anlagen, nämlich den Pfingstberg, die russische Kolonie, die Umgebung des Ruinenbergs und des Belvedere, die Pflanzungen bei Lindstedt und Eiche, er plante die Anlagen vor der Neuen Orangerie und führte sie aus. Sein Wirken fand Anerkennung, 1854 erhielt er den Titel "Hofgärtner", war aber formell noch seinem Bruder Hermann zugeordnet; erst 1860 wurde ein eigenes Revier gegründet. Er bezog nun das geräumige Hofgärtnerhaus nördlich der Communs.

Okuliermesser von Emil Sello
Okuliermesser von Emil Sello
(Privatbesitz)

Im Januar 1861 starb Friedrich Wilhelm IV., sein Bruder wurde als Wilhelm I. sein Nachfolger, dessen Sohn Friedrich Wilhelm wurde Kronprinz. Er war seit 1858 mit der englischen Prinzessin Victoria verheiratet. Das Kronprinzenpaar bewohnte im Sommer das Neue Palais. Wilhelm I. ließ seiner Schwiegertochter, die eine kundige Gartenfreundin war, freie Hand in allen Gartenangelegenheiten, Emil Sello wurde ihr Hofgärtner. 1864 erhielt er - wohl auf Wunsch der Prinzessin - die Hofgärtnerstelle am Neuen Palais. Der alte Karl Fintelmann musste nach Charlottenburg gehen. Damit hatte sein Leben die entscheidende Wendung genommen. Er gestaltete zunächst das Parterre vor dem Neuen Palais, ältere Pläne von Lenné und Gustav Meyer wurden nicht beachtet. Im Januar 1866 starb überraschend Peter J. Lenné, die Feierlichkeiten für seine Verabschiedung in den Ruhestand waren schon vorbereitet worden. Seine letzte Ruhestätte fand er im Kreise der Familien Sello und Persius, auf dem Sello-Familienfriedhof. Zu seinem Nachfolger wurde Ferdinand Jühlke ernannt. Emil Sellos Revier wurde der Zuständigkeit der Gartendirektion entzogen und dem Kronprinzenpaar unterstellt. Konservative Kreise sahen mit Missbilligung auf die Neuerungen, die von der "Engländerin" eingeführt wurden. Diese Ausnahmenstellung hatte Sello fast bis zum Tod Friedrichs III. inne, sicherlich keine einfache Situation für ihn.
Sello führte ein ausführliches Garten-Journal zur täglichen Vorlage bei der Kronprinzessin. Aus der engen Zusammenarbeit entwickelte sich ein geradezu familiäres Verhältnis, das Kronprinzenpaar erschien oft bei Emil und Johanna Sello zum Tee. Auf eigenen Wunsch wurde die Kronprinzessin Patin von Sellos Tochter Victoria. In späteren Jahren hat die Kronprinzessin ein eindrucksvolles Porträt von Sello gemalt, das sich heute in Familienbesitz befindet.

Schon im Winter 1864 hatte Sello einen Plan gezeichnet für die "Umwandlung der wüsten von Hecken umschlossenen ehemaligen Obstquartiere ... in Schmuck- und Nutzgärten nach Angaben ihrer königlichen Hoheit der Kronprinzessin ... " Hier schuf die Kronprinzessin für sich und ihre Familie einen privaten Rückzugsbereich, ihre Kinder konnten unmittelbare Erfahrungen in der Natur sammeln. Die Gärten waren anfangs mit Spiel- und Turngeräten ausgestattet. Zwei Quartiere waren als Obstgarten mit Beeren- und Zwergobst zum Naschen sowie als Heilkräutergarten regelmäßig gestaltet. Später wurde der Spielgarten in einen Rosengarten verwandelt. 1873 entstand ein Teehäuschen mit Teeküche nach dem Entwurf von Reinhold Persius.
Dann schickte man Sello nach England, um weitere Gärten zu besichtigen. 1866 fuhr er ein drittes Mal nach London – er fungierte bei einer Gartenbauausstellung als Preisrichter – und wurde von Königin Victoria empfangen, die mit ihm über die Privatgärten am Neuen Palais plauderte.
Im Gefolge des Kronprinzenpaares reiste er 1867 nach Paris zur Weltausstellung.

Goldenes Medaillon
Goldenes Medaillon mit den Fotographien des Kronprinzenpaares. Inschrift auf der Rückseite: Weihnachten 1872
(Privatbesitz)
Emil Sellos Rosengarten heute
Emil Sellos Rosengarten im Krongut heute
(Eigenes Foto)
Röictoria Pignol geb. Sello)
Römische Bäder, Bleistiftskizze von Victoria Pignol geb. Sello, Emil Sellos Tochter
(Familienbesitz)

In den folgenden Jahren ersetzte Sello mehrere von Lenné angelegte landschaftliche Gärten durch streng geometrische, zuerst den am Prinzessinnenpalais in Berlin. Der Garten des Kronguts Bornstedt wurde zu einem "Farmgarten" umgestaltet, Sello legte einen "feinen Obstgarten" und einen Rosengarten an. Im Zusammenhang mit den Arbeiten dort wurde der Bornstedter Kirchhof im Sinne der Kronprinzessin umgestaltet, auch der Sello-Friedhof erfuhr Änderungen. Lennés "Damengarten" an der Villa Liegnitz wurde von Sello umgestaltet und erhielt im Zentrum einen der ersten Lawntennisplätze in Deutschland.
Dank seiner privilegierten Stellung verdiente Sello sehr gut, sein Lebensstil war aufwändig, auch, was die Ausstattung seiner Wohnung angeht, er hatte einen Diener, entsprechendes Hauspersonal und fuhr einen Zweispänner. Wie im Hause seines Bruders verkehrten bei ihm Literaten und Gelehrte. - 1883 wurde er Oberhofgärtner.
Nach einem langen erfolgreichen Wirken als Hofgärtner des kronprinzlichen Paares waren die letzten Jahre von Emil Sello von Enttäuschung und Bitterkeit getrübt. Einen Monat nach Regierungsantritt des todkranken Friedrichs III. wurde Sello plötzlich der Gartendirektion unterstellt. Nach dem Tod ihres Mannes zog sich die Kaiserin Friedrich, wie sie sich nun nannte, nach Kronberg im Taunus zurück. Der immerhin schon 71-jährige Sello konnte ihr nicht folgen, weil er krank war.
Man riet ihm, um seine Pensionierung einzukommen, um einer Zwangspensionierung zuvorzukommen.
Er musste seine letzte Dienstwohnung, die Römischen Bäder, wo seine Familie glückliche Tage verlebt hatte, verlassen und bekam eine Wohnung im Kabinettshaus am Neuen Markt 1 zugeteilt. Die Kaiserin Friedrich besuchte ihn noch am Krankenbett. Seine Frau Johanna starb 1891. Ein Jahr vorher hatte das Paar seinen jüngsten Sohn Hermann verloren, der eigentlich die Gärtnertradition fortsetzen sollte, aber er war den Erwartungen nicht gewachsen. Die Söhne Georg und Erich hatten andere Berufe ergriffen. Emil Sello hat sehr darunter gelitten, dass mit ihm die Hofgärtner-Dynastie Sello endete.
Einen Tag vor Ferdinand Jühlke starb Emil Sello am 11. Juni 1893 in Potsdam und wurde auf dem Familienfriedhof in Bornstedt begraben.

SE


Verwendete Literatur:

  • Familienpapiere
  • Wacker, Jörg, Der Einfluss der Kronprinzessin Victoria auf die Gärten vor dem Neuen Palais. In: Auf den Spuren der Kronprinzessin Victoria, Ausstellungskatalog, SPSG, Potsdam 2001
  • Wimmer, C. A., Hermann und Emil Sello. In: Nichts gedeiht ohne Pflege, Ausstellungskatalog, SPSG. Potsdam 2001

letzte Änderung 23.04.2016 08:02 CEST
durch sello-webteam