Familiensiegel Sello

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Hofgärtner Hermann Sello


Potsdam
Hermann Sello 1848 (Degas)

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Familienbande

Neues von den Familien Betche, Eisenhart, Fintelmann, Sello und Tummeley

Gartendirektionsgebäude
Hermann Schnee, Gartendirektionsgebäude in Sanssouci 1871.
In diesem Haus wurde Marie Chistiane Sello 1779 geboren.
(Familienbesitz)

Marie Christiane Sello heiratet Gottlob Daniel Betche
Meine Ur-Ur-Ur-Großmutter Marie Christiane Sello wurde am 9. Februar 1779 in Sanssouci geboren. Sie war eine von den sieben Töchtern und sieben Söhnen des Kgl. Hofgärtners Johann Samuel Sello, der seit 1748 für den Küchengarten des Alten Fritz, den Marly-Garten, verantwortlich war. Er versorgte die königliche Tafel mit gartenfrischem Salat, mit Spargel und frühen grünen Bohnen, mit allerlei Kräutern und wohlschmeckendem Obst.
Die Gärtnerfamilie Sello wohnte im östlichen der beiden Häuser, die Knobelsdorff 1752 am ursprünglichen Haupteingang des Parks errichtet hatte.
Als Johann Samuel 1787 starb, übernahm sein Sohn Carl Julius den Küchengarten. Johann Samuel hinterließ neun unmündige Kinder, darunter den zukünftigen Hofgärtner Christian Ludwig Samuel und eben Marie Christiane. Ihre Mutter Maria Louisa hat wohl noch persönlich dafür gesorgt, dass ihre älteste Tochter, die schöne Rahel, an den wohlhabenden Kgl. Lichtrendanten Joh. Leopold Knopff verheiratet wurde, der zum Kummer der jungen Frau wesentlich älter war als sie.
16 Jahre alt war Marie Christiane, als man sie 1795 ebenfalls an einen sehr viel älteren Mann verheiratete, den damals 43-jährigen Kgl. Forstmeister Gottlob Daniel Betche (1753-1824). Da ruhte ihre Mutter schon vier Jahre auf dem Bornstedter Friedhof.

Immerhin stammte der Forstmeister aus einer einstmals angesehenen Potsdamer Familie. Sein Vater Matthias Christian Betche wurde der "elfenbeinerne Kammfabrikant" genannt, er war Besitzer einer Fabrik für Elfenbein- und Garnkämme gewesen, hatte aber 1771 Bankrott gemacht. Seine älteste Tochter Anna Regine Louise, verheiratet mit dem Kaufmann Gottfried Eisenhart, rettete ihr Muttererbe aus dem Konkurs, ein Haus mit umfangreichen Nebengebäuden und Warenlager mitsamt der darauf liegenden Handelsgerechtigkeit an der Berliner Straße 3, das dann ihr Sohn August Friedrich Eisenhart (1773-1846) geerbt hat. Ihr Halbbruder Gottlob Daniel Betche wurde wenig standesgemäß Feldjäger, schließlich avancierte er zum Forstmeister. Er wurde in den äußersten Norden der preußischen Lande geschickt, in das Memelland. Er hatte die Aufgabe, eine Försterei im Königlichen Jura-Forst einzurichten, die erste Försterei in diesem Waldgebiet. Und er brauchte eine Hausfrau, die ihm in die Fremde folgen würde.

In der Wildnis
Marie Christiane, fast noch ein Kind, musste ihre Geschwister und alle vertrauten Personen und die lieblichen Gefilde von Sanssouci verlassen. Die Försterei Jura lag mitten im Kgl. Jura-Forst, einem Urwald, der nördlich der Memel (lit. Njemen) gelegen war und sich nach Norden und Osten bis weit in russisches Gebiet hinein erstreckte, von den Einheimischen "die Wildnis" genannt, von Wölfen und Bären bewohnt.
Wenige Kilometer südlich von der Försterei lagen Kirchdorf und Gutsbezirk Wischwil (heute Vieswile). Etwa 1000 Einwohner lebten hier an der Mündung des Flusses Wischwil in die Memel. Die wasserreiche Wischwil, die auch am Forthaus vorbei floss, trieb zahlreiche Sägemühlen an, außerdem eine Papiermühle und einen Kupferhammer - das Dorf war für die damalige Zeit ein bedeutender Industriestandort.

Karten des Gebiets mit der Försterei siehe hierExterner Link

Die junge Försterin Marie Christiane war nun die Herrin des Forstguts. Es war sicher sehr schwer, sich in der Wildnis einzuleben. Statt des versprochenen bequemen Forsthauses hatten die beiden nur eine elende Kate vorgefunden. Die junge Frau, die kaum 1.50 m groß war, wusste sich wohl gegenüber ihrem litauischen Personal Respekt zu verschaffen. Der Förster, der das Land kulturlos fand, brachte seine litauischen Knechte zur Räson, indem er mit seinem langen Zopf auf sie einprügelte. Man musste sich auf die langen harten schneereichen Winter einstellen, den Eisgang im Frühjahr und die heißen Sommer. Ohne den Beistand einer vertrauten Person brachte Marie Christiane ihre Kinder zur Welt, den Sohn Ludwig und die Töchter Johanne Auguste Marianne und Juliane Luise Wilhelmine, meine Ur-Ur-Großmutter.
20 Jahre blieb die Familie in der Wildnis. Was sie von den weltgeschichtlichen Ereignissen um sie herum mitbekommen hat, ist leider nicht überliefert. Wären sie der Königin Louise begegnet in der Zeit, als die königliche Familie sich bis nach Memel zurückziehen musste aus Furcht vor Napoleon - darüber wäre bestimmt berichtet worden.
Gute Erinnerungen bewahrten Marie Christiane und ihre Kinder an fröhliche Tage in Johannisburg im südlichen Ostpreußen (heute Pisz, Woiwodschaft Ermland/Masuren, Polen). Hier wirkte der nunmehrige "Inspektionsoberförster" Betche von 1816 bis Ende 1824, dann ließ er sich pensionieren und kehrte mit seiner Familie nach Brandenburg zurück, in Zossen hatte er ein Haus geerbt. Gottlob Daniel Betche starb kurz nach der Heimkehr. Marie Christiane hat das Haus in der Schlossstraße 18 bis zur Verheiratung ihrer Kinder bewohnt.

Eduard Tummeley und seine Frau Auguste geb. Betche bauen die Villa Tummeley

1829 heiratete Auguste den Kaufmann Eduard Tummeley (1802-1858), den Universalerben des Kaufmanns August Friedreich Eisenhart (1773-1846). Dieser hatte von seiner Mutter Louise Betche, einer Halbschwester des Forstmeisters, Haus und Materialwarenlager an der Berliner Straße 3 geerbt und hatte später ein weiteres Anwesen Am Kanal 64 gekauft. Er war ein tüchtiger Kaufmann und hat ein großes Vermögen erworben, entweder durch klugen Ankauf von Staatsanleihen oder als Heereslieferant.
Eisenhart, der bis heute als "Wohltäter Potsdams" bekannt ist, hatte keine eigenen Kinder. Er und seine Frau Caroline Dorothea geb. Giebelhaus, Trägerin des "Louisenordens", lebten trotz ihres Reichtums sehr bescheiden. Sie errichteten wohltätige Stiftungen für die Bürger der Stadt Potsdam, sie unterstützten aber auch großzügig die Verwandtschaft, also Marie Christiane und ihre Kinder.
Eisenhart gönnte sich nur einen bescheidenen Luxus: im Sommer lebte er in einem kleinen Gartenhaus, das auf einem Grundstück an der Havel stand: Neue Königstraße 14 (heute Berliner Straße 29).
Eisenharts Erbe Eduard Tummeley erwarb weitere Grundstücke dazu und ließ sich die Villa Tummeley erbauen, möglicherweise 1847/48, nach dem Tod von Eisenhart.
Villa Tummeley
Villa Tummeley Foto2
(Eigenes Foto)
Villa Tummeley
Villa Tummeley Foto4
(Eigenes Foto)
Villa Tummeley
Villa Tummeley Foto3
(Eigenes Foto)

Marie Christiane, die inzwischen bei ihrer Tochter Wilhelmine in Segeletz lebte, hat die Planungen wohl noch miterlebt. Sie ist am 5. Juni 1847 in Potsdam gestorben, als sie ihre Tochter Auguste und ihre Enkel Franz, August, Fritz und Eduard besuchte.

Mehr siehe auch: Guckkasten und Aniskuchen - Neues zur Villa TummeleyExterner Link

Weitere Heiraten
Den parkähnlichen Garten der Villa ließ Eduard Tummeley von Gustav Adolph Fintelmann (1803-1871) anlegen, dem Hofgärtner der Pfaueninsel. Der war verheiratet mit Eulalia, einer Tochter des Steinmetzmeisters Ludwig Trippel und Johanne Marie Louise Sello, einer Schwester von Marie Christiane. Fintelmanns hatten viele schöne Töchter, zwei von ihnen verheirateten sich mit zweien der Tummeley-Söhne: Elisabeth heiratete 1860 den Franz, Bertha ein Jahr später den August. Sie lebten in Pyritz, wo ihr Vater eine Zuckerfabrik gegründet hatte. Hier starb Eulalia Fintelmann, als sie ihre Kinder und Enkelkinder besuchte. Sie ruht neben ihrem Mann auf dem kleinen Friedhof in Nikolskoe, wie es ihr als Bewohnerin der Pfaueninsel zukam.

Siehe auch hierExterner Link

Kirche in Segeletz 1942
Kirche in Segeletz 1942
(Foto Familienbesitz)

Wilhelmine Kahlbau geb. Betche und das Haus Allee nach Sanssouci Nr. 5
Marie Christianes Tochter Wilhelmine, meine Ur-Ur-Großmutter, war seit 1828 verheiratet mit dem Prediger Eduard Kahlbau (1801-1859). Ihre Mutter Marie Christiane hatte das Haus in Zossen verkauft und lebte nun im Haushalt ihrer Tochter, zuletzt in Segeletz (heute zu 16868 Wusterhausen/Dosse). Das Pfarrhaus, ein altes ungemütliches Haus, wurde zum gastfreien kulturellen Mittelpunkt des Dorfes. Marie Christiane sah drei Enkelkinder heranwachsen: Eduard, Clara Coelestine Johanna, meine Urgroßmutter, und Wilhelmine Christine Maria, genannt Minna.
A.F. Eisenhart hatte seiner Cousine Wilhelmine Kahlbau ein kleines Vermögen vermacht. Der Prediger konnte sich ohne Geldsorgen vorzeitig pensionieren lassen. Man ließ sich 1857 in Sanssouci nieder, man kaufte das Haus an der Allee nach Sanssouci Nr. 5.
Wilhelmines Tochter Johanna hatte 1849 den Hofgärtner Emil Sello geheiratet, den Sohn des Kgl. Hofgärtners Christian Ludwig Samuel Sello, einen Bruder ihrer Großmutter Marie Christiane. Johanna wohnte im Park von Sanssouci, zuerst am Neuen Palais, später in den Römischen Bädern, wo noch einmal eine Schar von Hofgärtnerskindern heranwuchs, Urenkel von Marie Christiane. Johannas Schwester Minna war mit Johann Edmund Angern verheiratet, nach dessen frühem Tod zog sie zu ihrer Mutter an die Allee nach Sanssouci.
Hier hat Wilhelmine Kahlbau bis zu ihrem Tode gewohnt, geliebt und verehrt von zahlreichen Enkelkindern, darunter war auch meine Großmutter Victoria Pignol geb. Sello, die ebenso klein war wie Marie Christiane. Wilhelmine wurde 86 Jahre alt und hat ihre beiden Töchter und ihre beiden Schwiegersöhne überlebt. Sie sind alle auf dem Sello-Familienfriedhof in Bornstedt begraben. Das Haus an der Allee nach Sanssouci wurde nach Wilhelmines Tod "an den König" verkauft.
Haus Allee nach Sanssouci Nr. 5
Haus Allee nach Sanssouci Nr. 5, Gartenseite
(Foto Familienbesitz, vor 1859)


Ein Erbe der Kgl. Hofgärtner: der Botaniker Ernst Betche (1851-1913)
Marie Christianes Sohn Ludwig (gen. Louis) hatte das Gymnasium in Königsberg besucht und sollte eigentlich wie sein Vater das Forstfach ergreifen, konnte aber seiner schwachen Gesundheit wegen nur Feldmesser werden. Seine Frau Ernestine litt an Schwindsucht, sie starb 1851 bei der Geburt ihres vierten Kindes, Daniel Ludwig Ernst. Auch das Kind litt an der Krankheit. Dank der Großzügigkeit Eisenharts konnte Ludwig dem Sohn Aufenthalte in der milderen Luft Italiens ermöglichen.
Seine Herkunft aus der Hofgärtnerfamilie mag Ernst Betches Berufswahl beeinflusst haben: er besuchte die Kgl. Gärtnerlehranstalt in Dahlem und arbeitete anschließend im Botanischen Garten. Nach einer Tätigkeit bei der belgischen Erwerbsgärtnerei van Houtte reiste er in die Südsee mit dem Ziel, eine Plantage zu erwerben. Aber das ließ sich nicht verwirklichen. Durch einige Veröffentlichungen zur Botanik wurde der Direktor des Botanischen Gartens in Sidney auf ihn aufmerksam und holte ihn 1881 an den Botanischen Garten, wo er schließlich der wichtigste Assistent des Direktors wurde. Zusammen mit dessen Nachfolger schrieb und veröffentlichte er zwei Bücher über die Flora von New South Wales. Am 28. Juni 1913 ist er in Sidney gestorben. Er hat nur seiner Wissenschaft gelebt.
Ernst Betche ist australischer Staatsbürger geworden, den Kontakt zu seinen Geschwistern hat er gehalten. Seine Schwester Christiane Auguste Luise Betche (1849-1917) hat, so besagt eine Notiz in einem Bericht des Botanischen Museums zu Berlin-Dahlem, 195 Herbar-Pflanzen aus Ost-Australien an das Museum übergeben.

Eine ausführliche Biographie, ein Bild sowie eine Bibliographie siehe im Australian Dictionary of Biography - Online EditionExterner Link

Quellen:

S.E.


letzte Änderung 27.11.2012 00:44 CET
durch sello-webteam