Familiensiegel Sello

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Hofgärtner Hermann Sello


Potsdam
Hermann Sello 1848 (Degas)

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Leopold Sello

Leopold Sello
Leopold Sello
(Mit freundlicher Genehmigung der
Deutschen Steinkohle AG an der Saar)
Leopold Sello wurde in Sans-Souci am 25.10.1785 als dritter Sohn von Johann Wilhelm Sello und seiner Ehefrau Caroline Rosina Sello geb. Calamé geboren, besuchte in Potsdam die Stadtschule, studierte von 1801 bis 1803 Bergwissenschaft an der Bergakademie in Berlin, arbeitete von 1805 bis 1806 im Schweidnitz- und Münsterberg-Glatz-Revier und wechselte schließlich als Bergkadett nach Tarnowitz. Von 1809 bis 1811 studierte er an der Bergakademie in Freiberg (Sachsen) und trat anschließend als Einfahrer in den Staatsdienst ein. Die Friedrichsgrube und die Leitung des landesherrlichen und gewerkschaftlichen Galmei-Bergbaus und Hüttenbetriebes war seine Aufgabe (Gewerkschaft ist eine besondere Gesellschaftsform des Bergbaus, Galmei ist ist eine altertümliche Bezeichnung für Zinkspat und -erz). 1816 führte Leopold Sello sein Weg nach Saarbrücken im Saarland, dessen Kohlegruben zu einem großen Teil aufgrund des 2. Pariser Friedensvertrages von 1815 dem preußischen Staatsbergbau zugefallen waren. Er leitete zunächst die provisorische Bergamtskommission und dann das aus ihr hervorgegangene Königliche Bergamt bis 1857. Nunmehr im Ruhestand war er von 1860 bis 1866 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und vertrat den Wahlkreis Saarbrücken-Ottweiler-St. Wendel in der Fraktion der liberalen Deutschen Fortschrittspartei. Während seiner beruflichen Tätigkeit sorgte er für die Modernisierung des technischen Grubenbetriebs und die Steigerung der Förderungsmenge. Auch initiierte er das saarlandische Eisenbahnwesen und die Errichtung von Wohnkolonien für die Bergarbeiter, in denen diese mit Unterstützung Eigenheime erwerben konnten. Ferner sorgte er für die Einrichtung von Bergschulen an verschiedenen Orten. Insgesamt beeinflusste er wie kaum ein anderer die wirtschaftliche Entwicklung des Saarlandes. Leopold Sello verstarb in Saarbrücken am 17.5.1874.

Verwendete Literatur:

  • Familienpapiere

JS, Jan 2007


Leopold Sello, Direktor des Königlich Preußischen
Bergamtes in Saarbrücken 1816-1857


Leopold Sello im Lehnstuhl
(Mit freundlicher Genehmigung der
Deutschen Steinkohle AG an der Saar)
Leopold Sello stammt aus der Berliner Linie der "Dynastie Sello":
Johann Justus Sell - ab 1724  Sello
Planteur im Tiergarten 1718-1768
|
Ehrenreich Wilhelm Sello
Planteur im Tiergarten bis 1795
|
Johann Wilhelm Sello
Planteur an der Kunstmühle
später Sanssouci, 1777 - 1822
|
Leopold Sello
Leopold Sello wurde am 25.10.1785 in Sanssouci geboren, in der "Kunstmühle", der Dienstwohnung seines Vaters, des Planteurs Johann Wilhelm Sello. Seine Mutter Rosina-Catharina Caroline Calamé war die jüngste Tochter eines Steinmetzmeisters, der aus der Schweiz zugewandert war, um am Neuen Palais zu arbeiten.
Zusammen mit seinen acht Geschwistern wuchs Leopold im Park von Sanssouci auf. Der Park war ein Kindheitsparadies für ihn, seine Geschwister und für seine wenig älteren Vettern und Cousinen Sello, die 14 Kinder seines Großonkels Johann Samuel Sello, des königlichen Küchengärtners, der im "Gartendirektionsgebäude" wohnte. Aus dieser großen Kinderschar gingen zwei Hofgärtner hervor: Carl Julius Samuel und Christian Ludwig Samuel. Von Leopolds Brüdern wurde nur einer Gärtner: August, der jedoch in den Befreiungskriegen gefallen ist.
Nach Abschluss seiner Schulzeit besuchte Leopold zunächst die Bergschule in Berlin und war anschließend zur praktischen Ausbildung in verschiedenen Revieren in Schlesien tätig. Dann besuchte er die sächsische Bergakademie in Freiberg, 1811 wurde er in den Staatsdienst aufgenommen. In Schlesien gab es aber keine angemessene Stellung für ihn, seine Einkünfte waren so gering, dass der 30-jährige nicht einmal "anständig" davon leben konnte.

Ehemalige Königlich-Preußische Bergwerksdirektion in Saarbrücken; erbaut 1877-1880 von Martin Gropius (1824-1880); vor dem umstrittenen Umbau zu einem Einkaufszentrum
(Mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Steinkohle AG an der Saar)
Die Neuordnung Europas nach dem Wiener Kongress 1815 wurde zum Wendepunkt seines Lebens und zum Glücksfall für ihn und das Saargebiet: das Saargebiet kam an Preußen, die Saarkohlegruben fielen dem preußischen Staatsbergbau zu. Sie waren nicht im besten Zustand, man brauchte einen Mann mit umfassenden theoretischen, praktischen und administrativen Kenntnissen. Also wurde Leopold Sello nach Saarbrücken geschickt, nach kurzer Tätigkeit als Vorsitzender der Bergamts-Commission zu Saarbrücken wurde er zum Direktor des Bergamts Saarbrücken ernannt. Über sein mehr als 40-jähriges erfolgreiches Wirken in dieser Funktion informiert ausführlich u. a. der Wikipedia-Artikel über Leopold SelloExterner Link. Hier mögen ein paar Stichworte genügen:
  • Er stellte Weichen für die Industrialisierung des Saarlandes
  • Durch Modernisierung enorme Steigerung der Kohleförderung
  • Verbesserung der Transportwege: Eisenbahnbau, Kanalisierung der Saar
  • Bessere Ausbildung der Bergleute: Gründung einer Bergschule 1822, Einrichtung von Sonntagsschulen und auch "Industrieschulen" für Mädchen
  • Sello ist "Vater des Bergmannswohnungsbaus", des sog. "Prämienhauses"
Als Preuße konnte Leopold Sello nicht von vorneherein mit dem Wohlwollen der Saarländer rechnen. Er setzte sich jedoch von Anfang an für die Verwendung von Einheimischen in der Verwaltung des Bergamtes ein. Privat fasste er Fuß durch seine Einheirat in die Sulzbacher Industriellen-Familie Vopelius. (Chemische Industrie: Glas- und Alaunhütten, eine Blaufabrik).
1821 heiratete er Auguste-Dorothee Vopelius (1802-1883), die Tochter des Hüttenherrn Carl Philipp Vopelius (1764-1828) und seiner Frau Charlotte Henriette Wagner. Es heißt, dass seine Frau ihm eine "ansehnliche Aussteuer" mit in die Ehe brachte. Leopold Sello und seine Frau hatten drei Kinder: Eduard Julius (*1826), Charlotte Marie (*1828) und Fanny Caroline Auguste (*1836).
1825 gründete Vopelius zusammen mit seinem Sohn Louis und Leopold Sello die Louisenthaler Glashütte. 1828, nach dem Tod des Hüttenherrn, ging ein reiches Erbe an seine Witwe, seine vier Töchter und zwei Söhne. Es heißt, dass alle Kinder sich herrschaftliche Villen bauen ließen und einen "gehobenen" Lebensstil pflegten. Leopold wohnte mit seiner Familie weiterhin in seiner Dienstwohnung nahe dem Saarbrücker Schloss, dem Sitz des Bergamts; dort soll er bis zu seinem Tod im hohen Alter von 89 Jahren gewohnt haben.
Der Sohn des Planteurs, der Enkel und Ur-Enkel eines Planteurs, gab die Beteiligung an der Glashütte auf, stattdessen kaufte er einen Wald. Er erwarb 1830 die Wasserburg Kerpen (Illingen) mit insgesamt 1350 Morgen Land: Gärten, Wiesen, Acker, Wildland, Waldungen ("Hermeswald") und Weiher. Damit wurde er Rittergutsbesitzer. Später kaufte er noch Teile der "Siersburger Waldungen". Ohne die Erbschaft seiner Frau und die Verbindungen der Familie Vopelius hätte er als "Zugereister" einen solchen Besitz sicher nicht erwerben können. Zur Betreuung der großen Waldflächen stellte er einen Förster ein und ließ in Merchweiler ein Forsthaus bauen. Im Saarbrücker Gemeinderat, dem er 25 Jahre lang angehörte, war er z. B.1846 Mitglied der Deputation für Waldangelegenheiten. - Die Einkünfte aus diesem Besitz waren später drei- bis viermal so hoch wie seine staatliche Pension und sicherten seine finanzielle Unabhängigkeit während seiner Zeit als Abgeordneter im Preußischen Abgeordnetenhaus (1860-1866).
Übrigens - nach dem Wiener Kongress war Peter J. Lenné 1816 nach Potsdam berufen worden; während Leopold Sello im Saarland wirkte, entstand die Potsdamer Kulturlandschaft unter Mitwirkung von zwei entfernten Verwandten Leopolds aus der Potsdamer Linie der Sellos, den Brüdern Hermann und Emil Sello.
Die noch recht gut erhaltene Burganlage diente nur als Steinbruch und verfiel rasch. 1883, nach dem Tod von Sellos Frau, gelangte die Ruine an den Geh. Kommerzienrat Franz Haldy, der mit Fanny Caroline Auguste Sello, einer Tochter Leopolds, verheiratet war. Franz Haldy gehörte einer bedeutenden Kaufmannsfamilie an; Leopolds jüngste Tochter Fanny Caroline Auguste war in 1. Ehe mit seinem Zwillingsbruder Friedrich Alexander Isidor verheiratet.

Leopold Sello, Medaillon am Gebäude der Saarbrücker Bergwerksdirektion, angefertigt durch den Bonner Bildhauer Küppers
(Mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Steinkohle AG an der Saar)
Das Andenken an den Geheimen Bergrat Leopold Sello wird im Saarland bis heute hoch gehalten. Sein Medaillon, geschaffen von dem Bonner Bildhauer Küppers, schmückt das Gebäude der Saarbrücker Bergwerksdirektion in der Trierer Straße. 1995 widmete man ihm einen Schacht beim "Historischen Kupferbergwerk Düppenweiler". Zwei Straßen sind nach ihm benannt, die Sello-Straße in Jägersfreude/Saarbrücken-Dudweiler, und seit kurzem die Leopold-Sello-Straße in 66589 Merchweiler. An ihn erinnern auch der "Sello-Wald" zwischen Bildstock und Merchweiler und ein "Leopoldstal" zwischen Bildstock und Landsweiler.

Literaturverzeichnis:

  • Faus, Fritz, Leopold Sello - Direktor des Kgl. Bergamts zu Saarbrücken von 1816 bis 1857. In: Saarbrücker Bergmannskalender, 1966
  • Fett, Hugo, Leopold Sello (1785-1874). In: Merchweiler Heimatblätter 2000
  • Kiltz, Jürgen, Leopold Sello - Direktor des Bergamts Saarbrücken von 1816 bis 1857. In: Saarbrücker Hefte, Heft 58, 1986
  • Staerk, Dieter, Die Familie VopeliusExterner Link, in: Broschüre der Stadtwerke Sulzbach über das Vopeliusbad, Juli 2008
  • Veauthier, Sigrid, Leopold Sello. Sonderdruck aus Saarländische Lebensbilder Bd. III (1986), SDV Saarbrücker Druckerei und Verlag GmbH
  • Historisches Kupferbergwerk DüppingenExterner Link, Juli 2008
  • Kerpener Burg (Illingen)Externer Link, Juli 2008
  • Geburts- und Taufdaten: neu recherchiert 2007: Potsdam, KB Garnisonkirche: Krafft A. Eggert u. Martina Rohde

SE, Aug 2008


letzte Änderung 1.06.2009 22:03 CEST
durch sello-webteam