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Hofgärtner Hermann Sello


Potsdam
Hermann Sello 1848 (Degas)

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Johann Georg Leonhardt Sello (1770 - 1790)

Kleine Kirche in Oranienbaum
Kleine Kirche, Oranienbaum,
geweiht 1752, 1920 zu einem
Wohnhaus umgebaut
(Foto einer Ausstellungstafel der
Ev. Kirchengemeinde Oranienbaum;
Krafft-Aretin Eggert, 2010)
"Am 24. August um 7.00 Uhr ist Johann Leonardt Sello, Fürstl. Gärtnergeselle allhier, weiland H. Johann Samuel Sello's gewesener Königl. Preußischer Treiberei und Küchengärtners in Potsdam hinterlassener 4 ter Sohn, seelig gestorben, nach dem er in dieser Welt gelebt 22 Jahre. Der entseelte Körper ist den 26 ten darauf zur Abendzeit beerdigt worden."
So lautet die letzte Notiz zu einem kurz währenden Gärtner-Leben im Sterbenbuch 1) der "Kleinen Kirche" in der Stadt Oranienbaum(1), damaliges Fürstentum Anhalt-Dessau, im Jahre 1790.
Dieses Gärtnerleben begann am 24. Februar 1770 in Potsdam Sanssouci 2) wie in der Eintragung in das Sterberegister in Oranienbaum richtig wiedergegeben als Sohn des Johann Samuel Sello, Königl. Preußischer Treiberei und Küchengärtners in Potsdam. Als sein Taufdatum wird der 4. März 1770 im Kirchenbuch der Garnisonkirche, Potsdam, angegeben, getauft wurde er auf die Namen < Johann Georg Leonhardt >.
Dem in das Sterbenbuch eintragenden Schreiber konnten die genauen Familienverhältnisse nicht bekannt sein. Seine Mutter, die wohlhabende Bürgerstochter Maria Louisa Kleist, hatte in ihrer zweiten Ehe mit dem Königl. Preußischen Treiberei und Küchengärtner drei Kinder zuvor geboren, davon allerdings eine Tochter und zwei Söhne. Mit ihrem ersten Ehemann hatte sie zwei Söhne. Und der Vater des Verstorbenen hatte aus erster Ehe bereits drei Söhne. Das war sicherlich in Oranienbaum so nicht bekannt. Dort wird nur aufgeschrieben worden sein, was der junge fürstliche Gärtnergeselle erzählte oder was in seinem Lehrzeugnis oder seinem Empfehlungsbrief gestanden haben wird, als er sich auf den Weg machte nach Dessau zum anhalt-dessauischen Fürsten Leopold III Friedrich Franz.(2)

Sicherlich war auch nach Potsdam die Kunde von dem Gartenwunder gedrungen, das dieser Fürst in Wörlitz schuf, einem Ort wenig östlich von Dessau gelegen. Die nachwachsende Gärtnergeneration wird neugierig gewesen sein, die neue Gartenkunst zu erleben.
In das Arbeitsfeld seines Vaters Johannes Samuel Sello, 1787 verstorbener Hofgärtner in Sanssouci, dem Park von Friedrich II dem Großen, war die neue Gartenwelt noch nicht eingedrungen. Jedoch spätestens 1787 als Johann August Eyserbeck von Friedrich Wilhelm II von Wörlitz nach Potsdam geholt wurde, begann in Potsdam der Wandel vom Rokkoko-Garten zum Landschaftspark. Als Gartenlehrling hat Johann Georg Leonhardt Sello die Gartenkunst erlernt, geschult an den Eigenheiten des Barockgartens. Von der "Neuen Gartenwelt" in Wörlitz wird er aber sicherlich Kunde erhalten haben.
Nach dem Tode seines Vaters am 17. April 1787, also zu einem Lebensabschnitt als dieser junge Gärtner am Ende seiner Lehrzeit stand oder kurz nach dem Abschluss dieser, trieb es ihn sicherlich hinaus in die Welt, die neue Gartenkunst kennen zu lernen.
Diese war zwar nicht in Wörlitz geboren, die Idee wurde zwei Generationen zuvor um 1730 in England entwickelt, aber sie war in Deutschland nicht nur neu, sondern geradezu eine kleine Revolution.

Der Fürst Leopold III Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, mit dem niederländischen Fürstenhaus der Oranier dynastisch verbunden, also auch mit den Hohenzollern in Berlin, hatte diese neue Gartenkunst auf seinen Reisen durch die Niederlande und England kennen gelernt und sich dafür begeistert. Der Gedanke, die strengen Formen des Barockgartens auf zu geben und eine Parklandschaft zu bilden, die der vermeintlich "wilden Natur" näher kam, erfasste diesen Fürst als seiner Zeit gemäß.
Das Schloss sowie der Schlosspark in Oranienbaum entstanden auf Initiative seiner Ur-Großmutter Henriette Katharina von Nassau-Oranien im letzten Drittel des 17. Jh. in den Formen des französischen Gartenbarocks. Auch diesen Barockgarten umzubauen war Fürst Leopold III Friedrich Franz entschlossen. Dazu wird er tüchtige junge Gärtner benötigt haben.

Aus dem Schlosspark Oranienbaum im Jahre 2008
Schlosspark Oranienbaum im Jahre 2008
(Fotos der Parkanlage Oranienbaum;
Krafft-Aretin Eggert, 2010)
Aus dem Schlosspark Oranienbaum im Jahre 2008
Schlosspark Oranienbaum im Jahre 2008
(Fotos der Parkanlage Oranienbaum;
Krafft-Aretin Eggert, 2010)

Aus einem Schreiben des preußischen Gartenintendanten Valentin von Massow an den anhalt-dessauischen Fürsten, datiert vom 13. Januar 1802, geht beispielhaft hervor, wie intensiv die Kommunikation zwischen den beiden Fürstenhäusern in Gartenangelegenheiten gewesen sein muss.

Durchlauchtigster Fürst
Gnädigster Fürst und Herr!

Die gewärtige Führsprache und Protection, welche Ehrwürden Durchlaucht, dem Hofgärtner Eiserbeck zu Gotha Bruder des verstorbenen Eiserbecks zu Charlottenburg angedeihen lassen, würde Sr. Majestät gewiss bestimmt haben, demselben die Stelle seines Bruders zu geben, wenn selbige nicht bereits an den Hofgärtner Steinert, Sohn des Hofgärtners zu Potsdam, wäre gegeben gewesen. Dieser junge Steinert, ist schon bei voriger Regierung, mit guten Vorkenntnissen nach Hernhausen geschickt worden, um sich in der Cultur der exotischen Pflanzen zu perfektionieren, nachher hat er einige Jahre in den Gärten des Landgrafen von Hessen-Cassel als Obergeselle gearbeitet, und kam vor 2 Jahren von seinen Reisen zurück, wo er alsdann die Expectanz auf die zu erst vacant werdende Hof-Gärtner Stelle erhielt,...
3)


Johann Georg Leonhardt Sello, der junge preußische Gärtner, Sohn des Hofgärtners aus Potsdam, verstarb 1790 nach wenigen Jahren oder auch nur Monaten seines Dienstes für Fürst Leopold III Friedrich Franz von Anhalt-Dessau kurz bevor die Umgestaltung von Schlossgarten und Park in Oranienbaum begann. 1792 wurde der sog. Chinesische Garten in Oranienbaum gestaltet, die erste Maßnahme der Umgestaltung, die bis heute in seiner Form auch erhalten ist.

Krafft-Aretin Eggert
den 08.12.2011

Anmerkung:

(1)    Zu damaliger Zeit gab es drei Orte 'Oranienbaum'. Zum einen eine Stadtgründung diesen Namens in Niederländisch-Brasilien, das spätere 'Pernambuco', heute 'Recife', zum zweiten eine Stadtgründung (1780) in der Nähe von Petersburg, Russland, heute (ab 1948) 'Lomonossow', ca. 40 km westlich des Stadtzentrums an der Newabucht der Ostsee, Altstadt und Schloss ab 1990 UNESCO-Weltkulturerbe, sowie die Stadt 'Oranienbaum' in der Nähe der Stadt Dessau im Bundesland Sachsen-Anhalt/Bundesrepublik Deutschland. Alle drei Stadtgründungen haben dynastischen Bezug zu den 'Oraniern'.
(2) ab 1758 regierender Fürst, seit 1807 Herzog von Anhalt-Dessau.

Quellen:

1)    Stadt Oranienbaum, Sachsen-Anhalt, Ev. Kirchengemeinde, "Kleine Kirche", KB Sterben, Bd. 26, S. 92b/Nr. 5/1790.
2) Potsdam, Garnisonkirche, KB Taufen, GStA PK Berlin-Dahlem, F. 1204 S. 101S.358/359.
3) Schreiben vom 13. Jan. 1802 des Königl. Gartenintendant Valentin von Massow an den Fürsten von Sachsen-Anhalt Leopold III Friedrich Franz , LHASA, DE, Abt.Dessau, A 13c Nr.14. Transskribtion den 11.09.2010 Krafft-Aretin Eggert unter Angleichung der Satzzeichen.

Literatur:

Fr. Graf, Geschichte der Stadt Oranienbaum (vom 12. Jahrhundert bis 1898), Oranienbaum 1899.
Preußisch Grün, Hofgärtner in Brandenburg-Preußen, Hrsg.: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Potsdam 2004.

letzte Änderung 10.12.2012 00:13 CET
durch sello-webteam