Familiensiegel Sello

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Hofgärtner Hermann Sello


Potsdam
Hermann Sello 1848 (Degas)

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Ein deutscher Naturforscher in Brasilien:
Friedrich Sello
(1789-1831)

Vorbemerkung: Friedrich Sello(w), Gärtner, Botaniker und Naturforscher, entstammt der preußischen Hofgärtnerdynastie Sello. 17 Jahre lang bereiste er die südlichen Provinzen Brasiliens und angrenzenden Gebiete Argentiniens und Uruguays. Der überwiegende Teil seiner Sammlungen befindet sich im Berliner Museum für Naturkunde (MfN), sein schriftlicher und sein zeichnerischer Nachlass wird in der Historischen Arbeitsstelle des Museums aufbewahrt.
Am 28.01.2009 besuchten die Autoren - beide Nachkommen der Hofgärtnerdynastie Sello - die Historische Arbeitsstelle und erhielten Einblick in Tagebücher, Briefe und das zeichnerische Werk Sellos. Sie erhielten die Erlaubnis, zu fotografieren und die Fotos auf der Home-Page der Familienstiftung Hofgärtner Hermann Sello zu veröffentlichen. Alle Angaben entsprechen dem damaligen Stand der Forschung.
Friedrich Sello, Brasilianische 
 Landschaft
Friedrich Sello, Brasilianische Landschaft
(MfN)

Friedrichs Kindheit und Jugend

Es war einmal ein armer Gärtnerbursche, der träumte davon, fremde Länder zu bereisen. Dieser Gärtnerbursche hieß Friedrich Sello. Er stammte aus einer traditionsreichen Familie, die bis 1789 bereits fünf Königliche Hofgärtner hervorgebracht hatte. Friedrichs Geschichte begann im Gartenreich von Sanssouci. Sein Vater Carl Julius Sello betreute den Marly-Garten, den königlichen Obst- und Gemüsegarten wie es vor ihm sein Vater Johann Samuel Sello getan hatte. Friedrichs Weg schien vorgezeichnet – Gärtnerlehre bei seinem Vater oder einem seiner Onkel, Gehilfenzeit, Wanderzeit und dann vielleicht Kgl. Hofgärtner.
Zumal auch Friedrichs Großvater mütterlicherseits, der "Königliche Küchmeister" August Lieder, einen Weinberg und einen großen Obst- und Gemüsegarten in Bornstedt besaß, der wohl zur Versorgung der königlichen Tafel beitrug. Das Anwesen am Mühlenberg hatte ursprünglich August Lieders Schwiegervater gehört, dem Königlichen Bilder-Galerie-Aufseher Friedrich August Brandenburg. Beide waren Mitglieder der Herrnhuter Brüdersozietät in Potsdam, auch Friedrichs junge Mutter Wilhelmine Albertine gehörte dazu.
Küchmeister Lieder und die beiden Küchengärtner Sello dürften viel miteinander zu tun gehabt haben, und so ist es nicht verwunderlich, dass Carl Julius, als er Nachfolger seines Vaters und Hofgärtner geworden war, sich um die Hand der Tochter bewarb. Auch in die Brüdersozietät wurde er aufgenommen. Im Diarium ist Friedrichs Geburt verzeichnet:

"Am 12ten [März 1789] wurde die Tochter unserer Geschw[ister]Lieders, verheirathe Sellow, von einem Söhnl[ein] entbunden u[nd] also unsre l[iebe] Schw[ester] Liedern von 34 Jahr u[nd] 5 Monat schon Gros-Mutter."

Ende August 1796 starb Friedrichs Vater. Jäh wurde der 7-jährige aus den Gärten seiner Kindheit und der vertrauten Umgebung gerissen, "seine fromme Mutter" gab ihn in die "Knabenanstalt" der Herrnhuter Brüdergemeine in Kleinwelka (Oberlausitz), die eine Heimstätte für Missionarskinder war:
"...Heute[22.12.1796] kam das Knäbgen Friedrich: Sello von Potzdam in die hiesige Pensions Anstalt", so steht es im Diarium der Brüdergemeine Kleinwelka.

2½ Jahre blieb Friedrich in der Knabenanstalt, eingebunden in einen strengen, religiös geprägten Tagesablauf. Vielleicht beeindruckten ihn die Erzählungen der Missionare und weckten seine Sehnsucht, fremde Länder kennen zu lernen. Natur- und völkerkundliches Sammeln war eine beliebte Freizeitbeschäftigung in der Brüder-Unität. Es wird berichtet, dass Friedrich von frühester Jugend an auf dem bloßen Boden schlief, sich im kältesten Winter im Freien wusch, rohen Fisch und frisch geschlachtetes Geflügel aß, um sich abzuhärten – als ob er eine Reise nach Grönland plante!
Im Juli 1799 holte man Friedrich nach Potsdam zurück, um "zu seiner künftigen Bestimmung etwas zu lernen", wie es im Diarium heißt.

Nach Abschluss seiner Gymnasialzeit absolvierte Friedrich eine Gärtnerlehre bei seinem Onkel, dem Kgl. Hofgärtner und Planteur Johann Wilhelm Sello. Er lebte wohl wie es üblich war im Haushalt seines Lehrherrn, in der sog. "Kunstmühle" am Rande des Parks von Sanssouci, zusammen mit Vettern und Cousinen. Leopold, der spätere Bergwerksdirektor, war wohl schon außer Haus. Wilhelm Sellos Familie hatte sich der Französisch-Reformierten Gemeinde angeschlossen.
Anschließend arbeitete Friedrich zwei Jahre als Gehilfe im Botanischen Garten in Schöneberg. Carl Ludwig Willdenow, Botaniker und Professor für Naturgeschichte, hatte die wissenschaftliche Aufsicht über den Botanischen Garten. Friedrich besuchte nachweislich seine Vorlesungen - das ging, genau wie die Gymnasialbildung, über das hinaus, was von einem Gärtner verlangt wurde. Offenbar war es nicht Friedrichs Ziel, Königlicher Küchengärtner zu werden wie sein Vater und sein Großvater, er strebte hinaus aus der engen Welt von Sanssouci, er wollte eine wissenschaftlichen Ausbildung – aber er hatte kein Geld.

Es lag ja in der Luft – wer reiste nicht alles in fremde exotische Länder. Friedrich wird die Berichte über Entdeckungsreisen, z. B. die Reisen von James Cook, gekannt haben. Der Botaniker und Naturforscher Joseph Banks hatte Cook auf seiner ersten Reise begleitet – Friedrich sollte ihm in London begegnen. Begleiter auf der zweiten Weltreise Cooks war der junge Georg Forster. Sein Buch "Reise um die Welt" und sein Bericht über eine Reise an den Niederrhein, die er mit Alexander von Humboldt unternahm, wurde Vorbild für eine neue literarische Gattung, den wissenschaftlich fundierten Reisebericht. Eine neue, wissenschaftliche Sichtweise auf fremde Länder und ihre Bewohner, ihre Tier- und Pflanzenwelt setzte sich in der Folge durch und hat auch Friedrich geprägt.

In Paris

Willdenow schickte Friedrich zur weiteren Fortbildung nach Paris, Wilhelm v. Humboldt, damals so etwas wie ein preußischer Kultusminister, gab ihm eine Empfehlung an seinen Bruder Alexander v. Humboldt mit, der in Paris an seinem Reisewerk arbeitete. Am 17. Mai 1810 schrieb v. Humboldt an Willdenow:
"Mein theurer Willdenow! [...] Es ist vor wenigen Wochen hier ein junger Mensch angekommen, Namens Sellow, und der mir eine Empfehlung von meinem Bruder Wilhelm gebracht. Er sieht freundlich, munter und lehrbegierig aus."
Humboldt sorgte dafür, dass Friedrich eine Anstellung im Jardin des plantes bekam, die leider schlecht bezahlt wurde, und erklärte sich bereit, im ersten Jahr für sein Auskommen zu sorgen, dann müsse aber die preußische Regierung einspringen. Fortan setzten er und andere Gönner sich für Friedrich ein, um seine weitere Fortbildung und später seine Reisen zu finanzieren.
Paris war zu der Zeit d a s Zentrum der Naturforschung, Friedrich hörte nach seinen eigenen Aussagen "ununterbrochen die Collegien" der bedeutendsten Professoren seiner Zeit und nutzte die Sammlungen des Muséum national d'histoire naturelle. Alexander v. Humboldt instruierte ihn über die wissenschaftliche Vorbereitung, Durchführung und Auswertung einer Forschungsreise. Schließlich finanzierte er auch noch die Weiterreise nach England.
Friedrich hat ihm je ein Exemplar aus seiner umfangreichen Pflanzensammlung vermacht. Humboldt seinerseits benannte eine Pflanzengattung nach dem Freund. Er blieb der "ganzen verehrten Familie [Sello]" sein Leben lang verbunden:
Alexander von Humboldt
Alexander von Humboldt
(Familienbesitz)
A.v.Humboldts 
 Widmung seines Porträts an Johanna Sello
A.v.Humboldts Widmung seines Porträts an Johanna Sello
(Familienbesitz)

Alexander von Humboldt war häufig Gast in der "Villa Sello" bei dem Hofgärtner Hermann Sello. Er hatte den jungen Hermann 1823 kennen gelernt und ihn als "kräftig, kenntnisvoll und bescheiden" und als einen "ganz trefflichen Menschen" bezeichnet. v. Humboldt verkehrte auch bei Hermanns Bruder, dem Kgl. Hofgärtner Emil Sello und seiner Frau Johanna, der er sein Porträt widmete. Eine letzte Ehre erwies der Hermann Sello dem großen Mann bei seinem Tod: Alexander v. Humboldt wurde vor dem Begräbnis auf dem Humboldtschen Familienfriedhof in Schloss Tegel aufgebahrt. "Der Flur war ganz köstlich schön mit Grünem und blühenden Gewächsen geschmückt, die Sello aus Sanssouci am Nachmittag geschickt hatte oder vielmehr selbst begleitet", berichtete seine Nichte Gabriele v. Bülow.

In London

Auch in England bewegte der junge Preuße sich in erlauchtesten Botanikerkreisen - an der Spitze der große Botaniker Sir Joseph Banks, einst Begleiter von James Cook bei dessen erster Weltumsegelung und nun hochgeehrter Präsident der Royal Society und nutzte seine Bibliothek und seine Herbarien, die in seinem Haus allen Interessierten zugänglich waren. Friedrich vertiefte am Britischen Museum seine Kenntnisse in Zoologie und Mineralogie, er machte sich mit der Kunst des Präparierens und Konservierens unter tropischen Bedingungen vertraut. Auch in London musste er für seinen Lebensunterhalt arbeiten, vielleicht, indem er Pflanzen für das Herbarium von Dr. John Sims sammelte. In London blieb er 1 ½ Jahre, eine Zeit des Lernens und des Wartens, ohne rechte Aussichten, das zu erreichen, was er so "brennend" - so einer seiner Gönner - wünschte: eine Forschungsreise nach Brasilien.
Schließlich lernte er Georg Heinrich von Langsdorff kennen. 1812 war dessen Bericht über die Krusenstern'sche Expedition nach Russisch-Amerika erschienen, an der er als naturwissenschaftlicher Begleiter teilgenommen hatte. Auf der Insel St. Catharina hatte er einen ersten und überwältigenden Eindruck von der tropischen Natur Brasiliens gewonnen. Nun war er im Begriff, als russischer Gesandter nach Rio de Janeiro zu gehen. Jetzt bot sich Friedrich die Chance, seinen Lebenstraum zu verwirklichen. Allerdings - er besaß kaum einen Pfennig eigenes Geld; sein preußisches Vaterland rang noch immer um seine Existenz. Da erwiesen Sir Banks und Dr. Sims dem jungen Botaniker großes Vertrauen: sie gaben ihm ein Darlehen, so dass er 1814 nach Brasilien segeln konnte. Friedrich Sellow, wie er sich nun nannte, rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen - schon nach einem Jahr hatte er seine Schulden getilgt, durch Übersendung von getrockneten Pflanzen, Sämereien, Vogelbälgen usw. - (In der wissenschaftlichen Literatur werden beide Namensformen verwendet; wir bleiben bei "Sello", dem Namen der traditionsreichen Gärtnerfamilie, aus der er stammt.)
 

Reisen in Brasilien und Uruguay

Friedrich Sello: Einfahrt in den 
 Hafen von Rio de Janeiro
Friedrich Sello: Einfahrt in den Hafen von Rio de Janeiro mit der Insel Nossa Senhora da Boa Viagem
(R. Löschner u. B. Kirschstein-Gamber, Stuttgart 1988)
 
Im Hause Langsdorffs in Rio de Janeiro konnte Friedrich sich mit Land und Leuten und der Sprache vertraut machen, ehe er zu größeren Expeditionen aufbrach. Schließlich besserte sich auch seine finanzielle Lage: er bekam eine jährliche Unterstützung des Königs, später Kaisers von Brasilien, der an der Erschließung des Landes interessiert war, und dann gelang es auch seinen Gönnern in Preußen, Geldmittel für den "wackeren" Sello locker zu machen
"Unter den größesten Beschwerden, auf den unwegsamsten Straßen, mit den größesten Lebensgefahren wagte er [Friedrich Sello] sich bis tief in das Land, […]" heißt in einem Bericht von 1835. Reißende Flüsse waren zu überwinden, auf rutschigem Gebirgspfad stürzte Sellos Pferd, er brach sich des Schlüsselbein. (GStA PK)
Prinz zu Wied: Rückkehr von 
 den Puri
Federzeichnung des Prinzen zu Wied: Rückkehr von einem Besuch bei den Puri
(R. Löschner u. B. Kirschstein-Gamber, Stuttgart 1988)
 
Eine Federzeichnung des Prinzen Maximilian zu Wied-Neuwied, den Friedrich auf seiner Forschungsreise 1815-1817 streckenweise begleitete, zeigt Expeditionsteilnehmer bei der Rückkehr von einem Besuch bei den Puri: Friedrich Sello reitet voran, er ist bekleidet mit Gehrock und Zylinder und trägt Gamaschen. Ähnlich sind auch der Ornithologe G.W. Freyreiss und der Prinz zu Wied bekleidet, der allerdings einen Dreispitz trägt. Die begleitenden Puri tragen lockere Hemden, einer auch Hosen.
Aus dem Bericht des Prinzen zu Wied: "Wir fanden […] in den Sümpfen zwey weissblühende Nymphea-Arten, […] ferner eine hohe weissblühende Alisma, wahrscheinlich auch neu, mit schmalem länglichtem Blatte. Es war nicht / leicht, der schönen Pflanze in dem tiefen Sumpfe habhaft zu werden,; Herr Sello fiel tief in das schwarze Moorwasser ein; auch mir erging es, als ich beschäftigt war die Sumpfvögel zu beschleichen, nicht besser." (Zitiert bei Hackethal, S. 217)
Weitere Reisen unternahm Friedrich Sello zusammen mit Ignaz von Olfers (1793-1871), Naturwissenschaftler und Diplomat in preußischen Diensten, später Generaldirektor der Berliner Museen. Auf den Reisen entstand eine lebenslange Freundschaft. Auch Olfers sollte je ein Exemplar aus Sellos Pflanzensammlung erhalten. Er schrieb über Sello: "Er ist ein guter Botaniker, und ein fleißiger Sammler, der auch die anderen naturhistorischen Gegenstände nicht ausser acht lässt: dabey ein äußerst bescheidener Mann, den die Sache selbst interessiert, […]er lebt sehr einfach und verwendet alles, was er bekommt, auf naturhistorische Sammlungen." (zitiert bei Hermannstädter, S. 35 f.)
Friedrich Sello: 
 Raupe
Friedrich Sello: Raupe - Aquarell und Bleistift
(MfN)
Skizzenbuch: 
 Nagetierart der Gattung Akodom?
Aus dem Skizzenbuch (Bleistift). Wahrscheinlich eine
Nagetierart der Gattung Akodom
(MfN)
Zeichnung Olfers: Echter Wels 
 (Bleistift)
Zeichnung: Olfers. Sello klassifizierte den Fisch
als Silurus (Echter Wels); es handelt sich wahrscheinlich um eine
Art aus der Gattung Pimelodidae (Antennenwelse)
(MfN)
Friedrich Sello: Fisch 
 (Aquarell)
Friedrich Sello: Fisch (Aquarell). Sello hat sich viel Zeit
genommen, um diesen farbenprächtigen Fisch zu aquarellieren
(MfN)
"Dabei kam Sello auf diesen Streifzügen in Gegenden, die von wilden Indianerstämmen bewohnt (?) werden, den BUGNES, speziellen COREADOS und BOTUCUDOS genannt, welche dem Reisenden tagelang nachschleichen und ihn angreifen, wenn sie ihn unbewacht und unvorsichtig finden; wie sie denn meistens nur in der Morgen- und Abenddämmerung oder in mondhellen Nächten ihn überfallen." (GStA PK)
Mit dem Prinzen zu Wied reiste Sello auch in die Siedlungsgebiete der Botocuden um den Rio Doce und Minas Gerais, die den Prinzen besonders interessierten. Er nahm mehrere Zeichnungen Sellos in seinen Reisebericht auf. Die Botocudo galten - ohne dass es je bewiesen wurde - als Menschenfresser. Sie trugen Ohr- und Lippenpflöcke, die die Portugiesen an Fassspunde - botoques - erinnerten, daher der Name. Sello hat einige porträtiert; obgleich er in diesem Falle mit der camera lucida arbeitete, also nur Umrisse zeichnete, hat er den Menschen anschließend individuelle Züge verliehen. (GStA PK)
Friedrich Sello: Botocude
Friedrich Sello: Kopfstudie eines Botocuden
(R. Löschner u. B. Kirschstein-Gamber, Stuttgart 1988)
Friedrich Sello: Botocude
Friedrich Sello: Kopfstudie eines Botocuden
(R. Löschner u. B. Kirschstein-Gamber, Stuttgart 1988)
Friedrich Sello: Brasilianische 
 Landschaft
Friedrich Sello: Brasilianische Landschaft
(MfN)
Friedrich Sello: Blick in die 
 Hütte<BR>einer Coroado-Indianerin, 1819
Friedrich Sello: Blick in die Hütte einer Coroado-Indianerin, 1819
(MfN)
Mit Olfers unternahm Sello auch Reisen zu indianischen Siedlungen von Puri, Coropo und Coroado.
"Die Männer lagen in ihren Netzen u. kamen nicht zum Vorschein. Die Weiber saßen auf dem Platze […] und kernten Baumwolle aus. Die Kinder lagen teils an der Mutterbrust, theils spielten sie umher. […] Wir warfen uns zu ihnen auf die Erde nieder u. plauderten mit ihnen bis der Sternenhimmel hoch u. klar über uns stand. Ein Feuer von stark dampfenden Sachen verscheuchte die Mosquitos." (Tagebucheintrag von Olfers, zitiert bei Hermannstädter, S. 16)
Friedrich Sello: Junger Mann mit 
 Hacke
Friedrich Sello: Junger Mann mit Hacke
(MfN)
Skizzenbuch - Olfers/Sello, Waffen 
 und Geräte
Skizzenbuch - Olfers/Sello, Waffen und Geräte
(MfN)
Skizzenbuch - Olfers/Sello, Waffen 
 und Geräte
Skizzenbuch - Olfers/Sello, Waffen und Geräte
(MfN)
 

Sello fertigte viele Zeichnungen der missionierten Indianer an:

Friedrich Sello: 
 Anna, eine alte Indianerin
Friedrich Sello: Anna, eine alte Indianerin
(MfN)
Friedrich 
 Sello: Maria Eusebia Tshlerigei
Friedrich Sello: Maria Eusebia Tshlerigei
(MfN)
Das Aquarell zeigt einen Soldaten, der Prinz zu Wied hat die Ausrüstung beschrieben: "Jeder führt seinen Proviant mit, außerdem ein Pulverhorn, Pulver, ein großes Messer, einen Rucksack und ein Gewehr, über dem ein Tierfell lag, um das Schloss vor Feuchtigkeit zu schützen. Die Soldaten gingen barfuß." (R. Löschner u. B. Kirschstein-Gamber, Stuttgart 1988, S. 22)
Friedrich Sello: Pai Gutinho
Friedrich Sello: Pai Gutinho
(MfN)

"Von dieser Zeit an [1828] war Sello's Name, als der eines ausgezeichneten Reisenden bei allen civilisirten Nationen immer mehr bekannt. Engländer, Franzosen, Deutsche, die nach Südamerika kamen, fragten nach Sello. In Brasilien selbst übertrug ihm der Kaiser das Einsammeln von Naturgegenständen für die wissenschaftlichen Anstalten in Rio de Janeiro, - die Gouverneure, selbst entfernter Provinzen in Brasilien, andere Kaiserliche Beamte berichten in verschiedener Zeit und aus den verschiedensten Orten, dass Sello's Name bei den Colonisten überall und selbst bei den Indianern, da er viele Stämme auf seinen Streifzügen berührt und eine glückliche Art hatte, mit Menschen aller Stände und Völker jeder Bildung gut umzugehen, ihnen wohl bekannt sei." (GStA PK)

Leider war es ihm nicht vergönnt, seine Sammlungen persönlich auszuwerten - Friedrich Sello hatte beabsichtigt, nach 17- jährigem Aufenthalt in Brasilien in die Heimat zurückzukehren, ertrank aber unter ungeklärten Umständen am 4. Oktober 1831 im Rio Doce. Es ist übrigens das Jahr, in dem der junge Charles Darwin zu seiner epochemachenden Reise aufbrach.
Prinz zu Wied: Schifffahrt 
 auf dem Rio Doce
Prinz zu Wied: Schifffahrt auf dem Rio Doce. Im Boot wahrscheinlich Sello, Freyreiss und der Prinz
(R. Löschner u. B. Kirschstein-Gamber, Stuttgart 1988)

Friedrich Sellos Sammlungen

Karton mit den Tagebüchern Sellos
Friedrich Sellos schriftlicher Nachlass: 71 Tage- und Notizbücher, 26 Expeditionsberichte, ein Skizzenbuch mit Zeichnungen von Sello und Ignaz v. Olfers. Tagebücher und Expeditionsberichte sind in den letzten Jahren weitgehend transkribiert worden.
(MfN)
Doppelseite aus einem Tagebuch
Doppelseite aus einem Tagebuch
(MfN)
Umfang der Sammlung von Friedrich 
 Sello
Aus dem Bericht des Ministeriums
der Geistlichen-, Unterrichts- und
Medizinalangelegenheiten
(GStA PK, Berlin, I HA Rep.89, Nr.19 566)
Seine Sammlungen gelangten in 151 Kisten in 23 Sendungen nach Berlin: Die Herbarien, Sämereien und lebende Pflanzen kamen an den Botanischen Garten, die zoologische und die mineralogische Sammlung gelangten an das Museum für Naturkunde. Man hat errechnet, dass der Geldwert dieser Sammlungen bei weitem die Summe übertrifft, die man dem Naturforscher von Seiten des preußischen Staates seit 1823 zukommen ließ. Der wissenschaftliche Wert allerdings sei unschätzbar - das gilt auch noch heute.
Das ist jedoch nicht alles. Seine ethnographischen Sammelstücke gelangten in die Königliche Kunstkammer, später in das ethnologische Museum und gerieten in Vergessenheit. Sein umfangreicher schriftlicher und zeichnerischer Nachlass war lange verschollen, wurde erst in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts wieder entdeckt, katalogisiert und inventarisiert.
Transkription des nebenstehenden Textes anzeigen





Anmerkungen
Die oben z.T. erstmals, z.T. an entlegenen Stellen veröffentlichten Zeichnungen Sellos geben nur einen kleinen Einblick in das zeichnerische Werk Sellos. Neben dem Skizzenbuch und Zeichnungen in den Tagebüchern besteht dieser Nachlass aus 230 Blättern, davon 222 von Sellos Hand. Nur wenige Blätter sind datiert.
Weitere Zeichnungen und Briefe Sellos befinden sich im Nachlass des Prinzen zu Wied, einige davon wurden bei Löschner (s.u.) 1988 veröffentlicht.

Danksagung
Wir danken ganz herzlich Frau Dr. Landauer und insbesondere Frau Dr. Hackethal von der Historischen Arbeitsstelle für die liebenswürdige und kenntnisreiche Einführung in den schriftlichen und zeichnerischen Nachlass Friedrich Sellos sowie die vielen weiterführenden Hinweise.
Aus aktuellem Anlass danken wir Herrn C. Eckert und Frau M. Junghans, Brasilien, für das freundschaftliche und anregende Gespräch und für die Mitteilung vieler neuer Recherche-Ergebnisse.
Der erwähnte Brief von A.v. Humboldt an Willdenow wurde erst vor wenigen Jahren gefunden und wird im Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar aufbewahrt; (Mitteilung C. Eckert)

Ungedruckte Quellen:

Literatur:

Auskunft über Sellos Sammlungen und ihr Schicksal finden sich auf der Webseite des Museum für Naturkunde Berlin --> Historische ArbeitsstelleExterner Link, in dem Aufsatz von Frau Dr. Hackethal sowie im Katalog "Als das Leben laufen lernte", sowie bei: Haas, Richard, Brasilien an der Spree. In: Deutsche am Amazonas, s.u. Im übrigen verweisen wir nach wie vor auf den wikipedia-Artikel zu Friedrich SelloExterner Link sowie auf den Artikel von Dr.habil. H.-D. KrauschExterner Link.

S.E. und B.E., 11.06.2009, Okt. 2013, Okt. 2014


letzte Änderung 7.10.2014 23:46 CEST
durch sello-webteam