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Hofgärtner Hermann Sello


Potsdam
Hermann Sello 1848 (Degas)

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Aline Sello - eine Hofgärtnersfrau in Sanssouci

"Vor allem mir Sanssouci einzig gefällt,
Ich wüsste kein Zweites, so weit auch die Welt."

 
So beginnt ein Lied, das Aline Sello (1812-1866) etwa 1847 gedichtet und komponiert hat. Sie war seit Mai 1839 mit ihrem Vetter, dem Hofgärtner Hermann Sello verheiratet: "Der Frauen höchstes Glück hab' ich gefunden!" jubelt sie und erlebt von der hohen Warte der "Villa Sello" an der Maulbeerallee mit, wie die Potsdamer Kulturlandschaft entsteht.

Die Frauen der Hofgärtner haben wenig Spuren in der Geschichte hinterlassen. Sie brachten viele Kinder zur Welt, erzogen sie und führten den Haushalt, von manchen kennen wir nur den Namen. Etwas anders ist es mit Aline. Da ihre Ehe kinderlos blieb, ihr auch Dienstpersonal zur Verfügung stand, hatte sie viel Zeit, sich mit Dichten und Komponieren zu beschäftigen. Sie hatte wohl in ihrer Jugend wie viele "höhere Töchter" Musikunterricht gehabt und schrieb Gedichte, die sie auch vertonte, ebenso wie Verse damals beliebter Dichter wie Emanuel Geibel, Julius Sturm oder Hofmann von Fallersleben.

Aline Schall (Miniatur)
Jugendbildnis Aline Sello (Schlieter pixit)
(Privatbesitz)
Buchdeckel Gedichte Aline Sello
Gedichte Aline Sello
(Privatbesitz)

Ihre Kompositionen und Gedichte gab ihr Mann nach ihrem Tod in zwei prachtvollen Bänden mit Goldschnitt heraus und verschenkte sie an Verwandte und Freunde. Einen besonderen literarischen Wert haben ihre Verse nicht, aber man erfährt einiges über ihr Lebensgefühl.

Ihre frühen Gedichte sind von leidvoller Sanftmut, Schicksalsergebenheit und Frömmigkeit geprägt, einer Haltung, wie man sie von einer Frau in der Biedermeierzeit erwartete. Als Frau war sie aus den künstlerischen und literarischen Zirkeln ausgeschlossen, die in dieser Zeit auch in Potsdam entstanden. Im häuslichen Kreis fand Aline ihr Publikum, es wurde vorgelesen und musiziert. Künstler wie der alte Ludwig Tieck oder August Kopisch verkehrten im Hause, Julius Steiner, der spätere Theaterdirektor, war Gärtnergehilfe unter Hermann Sello und brachte im geselligen Kreis sein "Vorlesetalent zur Geltung", auch Alexander von Humboldt kam zu Gast und andere Sanssouci-Bewohner - Hofgärtner, ihre Auszubildenden, Bildhauer und natürlich die große Verwandtschaft, angefangen mit der Familie Persius.

Die junge Frau blühte auf mit den Gärten ihres Ehemannes. Sie besingt die Schönheit des Parks von Sanssouci. Besonders fasziniert ist sie von den italienisch anmutenden Gärten, die ihr Mann anlegt:

"Es wieget die Rebe sich traubenbeschwert
Am Maulbeer, den heilige Dankbarkeit ehrt;
Orangen, Granaten bei Myrten erblühn,
Wo würzige Düfte des Lorbeerbaums ziehn."

Siam-Plan mit Kulturstück
SIAM-PLAN VON LENNÉ mit Römischem Kulturstück
(SPSG)

Als sie diese Verse schrieb, hatte Aline vielleicht das "Italienische Kulturstück" vor Augen, das Hermann Sello 1834 ausgeführt hatte. Es war vor den Römischen Bädern gelegen, Wein und Kürbisranken verbanden die Obstbäume nach italienischem Vorbild, Broccoli, Artischocken und Mais wurden im Gemüsegarten gezogen, in einem Teich lebten Goldfische und Sumpfschildkröten, Beete mit Blumen, Ziergräsern und Blattpflanzen erstreckten sich bis zum Handtmann'schen Haus. Maulbeerbäume und Feigen vervollständigten den südlichen Garten vor den zunächst als italienischem Landgut geplanten Römischen Bädern.

Römische Bäder
Römische Bäder mit Italienischem Kulturstück, Maler unbek., Initialen C. Z.
(Privatbesitz)

1842 bezog das Ehepaar das von ihrem Schwager Ludwig Persius im italienischen Stil umgebaute Haus an der Maulbeerallee. Das "Sello'sche Wohnhaus" und sein Garten erregten das Entzücken der Zeitgenossen.

"Alles dies ward nach des Königs Angaben durch Persius so reizend ausgeführt und von Sello mit solcher Liebe gärtnerisch ausgeschmückt, auch der daran anstoßende Garten in mehr symmetrischen Formen so zustimmend geordnet, dass die ganze Partie eine der geschmackvollsten und reizendsten Idyllen bildet" berichtet der Chronist Kopisch, der im Auftrag des Königs ein Buch über die königlichen Schlösser und Gärten schrieb.

Von hier aus konnte Aline verfolgen, wie ihr Mann jenseits der Maulbeerallee das Paradeisgärt'l schuf, einen "Zaubergarten" mit südlicher Vegetation und paradiesischem Blumenschmuck: er pflanzte Blumen aus Südamerika, Afrika, Ostasien und Europa an. Persius hatte die Eingangspforte entworfen, die Kaskade und das vielbewunderte Stibadium im Zentrum des Gartens entworfen und gebaut.

Vermutlich hatte Aline von ihrem Garten aus etwa den gleichen Blick über den Park wie die königliche Familie von der obersten Terrasse des Schlosses; die ihr vorbehalten war. Sello hatte sie mit sammetgrünem Rasen belegt, mit reichem Blumenschmuck und üppigen Blattpflanzen versehen. Wenn die königliche Familie hier ihren Tee nahm, war sie vom Duft der blühenden Orangenbäume und des Lorbeers "umfächelt", wie Kopisch es poetisch formuliert.

Terassen Sanssouci
Terrassen von Sanssouci; Stahlstich: L. Robock; Photogr./A. Fesca sculpt., o. J.
(Privatbesitz)

Von hier oben konnte man seit Oktober 1842 den Anblick der großen Fontaine genießen. Eine Dampfmaschine von Borsig, untergebracht in der berühmten Moschee von Persius, pumpte das Wasser aus der Havel in das Reservoir auf dem Ruinenberg, von hier aus wurden nun alle Wasserspiele im Park und die anmutigen Brunnen auf der Terrasse gespeist.

In den Jahren 1845-48 entstand die Friedenskirche, gleichzeitig schufen Lenné und Gustav Meyer den vielgerühmten Marly-Garten.
In Alines Sanssouci-Lied heißt es:

"Weit schauet die Kirche des Friedens hinaus,
Hell tönen die Glocken in jegliches Haus;
Sie läuten allabendlich Stille und Ruh'
Dem müdesten Pilger auf Erden zu."

Friedenskirche
Friedenskirche
(Foto: Familienbesitz)
Das Jahr 1848 brachte allerdings alles andere als "Frieden und Ruh". Die schwarz-rot-goldene Fahne der Revolutionäre wurde auch in Sanssouci aufgezogen, in Potsdam, wohin Friedrich Wilhelm IV. sich zurückgezogen hatte, gab es sogar eine Soldatenmeuterei. Aline schrieb, inspiriert von der politischen Lyrik ihrer Zeit, eine Reihe politischer Lieder. Dieses Unterfangen war unerhört für eine Frau. Ihre "Preußenlieder" sollten den König und seine "braven Soldaten" anfeuern, die Aufständischen unnachsichtig zu verfolgen.

Auch zu manchen offiziellen Gelegenheiten ergriff sie das Wort. So schrieb sie 1855 ein Festgedicht zur Einweihung der Neuen Orangerie. Hermann Sello soll die Verse seiner Frau vorgetragen haben:

"Hier grünet der Lorbeer in Winter und Nacht,
Hier glüht der Orange erquickende Pracht;
Wenn eisige Winde im Norden erstehn,
Hier ist's, wo uns Düfte des Frühlings umwehn."

Aline Sello starb im Januar 1866 und wurde auf dem Sello-Friedhof beigesetzt.

SE        

Bildquellen:

Literatur:


1840 trat Friedrich Wilhelm IV. die Nachfolge seines Vaters an. Im Herbst des Jahres begab er sich nach Berlin, am 15. Oktober nahm er dort die Huldigung der Preußischen Stände entgegen. - Aline Sello verabschiedete Friedrich Wilhelm IV. und seine Frau Elisabeth nach deren Sommeraufenthalt in Sanssouci:

        An das Königspaar
   als es von Sanssouci schied.
                 1840

Lebet wohl, Ihr, Preußens Segen,
Gottes Schutz geleite Euch!
Unsre Lieb' folgt aller Wegen
Euch, die selbst so liebereich.

Helle leuchte Herbstes Sonne,
Stürme, schweiget in dem Hain,
Der so oft des Landes Wonne
Wiegt' durch sein Geflüster ein.

Oder klagt ihr, hehre Bäume,
Daß die Theuren von euch gehn,
Hin, wo Trauerweiden-Haine
Trüb' um liebe Grüfte wehn?

Klagt nur, mir ist auch so bange,
Leer und öde rings die Flur;
Weinend suchte ich im Gange
Unsrer hohen Herrscher Spur,

Und ich fand die lieben Tritte,
Rings umweht von falbem Laub,
Derer, die bei jedem Schritte
Waren keiner Bitte taub.

Nun, beim längst gewußten Scheiden
Fühl' ich ganz das feste Band,
Jenes, das uns Welten neiden,
Höchsten Segens Unterpfand,

Jenes Band, das fest verbindet
Jedes Preußen Herz mit Euch,
Das Ihr selber um uns windet,
Nahe, ferne, ewig gleich.

Herbstes Stürme, wehet leise,
Sonn', umleuchte hold die Bahn;
Vöglein hemmt die weit're Reise!
Flieget nur in süßem Wahn

Hin, wo unsre Herrscher weilen,
Grüßet hell von Sanssouci;
Doch im Lenze mögt ihr eilen,
Eilen her nach Sanssouci!

Früher duftet dann, ihr Blumen,
Früher grüne schön, o Hain,
In des Gartens Heiligthumen
Strahle früher, Sonnenschein!

O, dann jauchzen aller Herzen,
Denn die Theuren kehren heim;
Lichte Silberwellen scherzen
Plaudernd durch den Blüthenhain.

Bis sie schlägt, die Feier-Stunde,
Schütze, Gott, mein Königspaar!
Führ's, o Herr, im heil'gen Bunde
Uns zurück im andern Jahr!

Aline Sello, Hinterlassene Gedichte, S. 79 ff.
Rechtschreibung und Zeichensetzung
wurden unverändert übernommen.


letzte Änderung 13.11.2013 00:44 CET
durch sello-webteam